Konzert-Review: Hamburg Trabrennbahn am 23.08.2011

Ein Jahr!

Ein Jahr ist es her, seit ich 30 Seconds to Mars zum ersten Mal live und in Farbe erlebt habe! Grund genug für mich, zum einjährigen Jubiläum des Hamburg-Konzertes diese Review zu veröffentlichen, die bisher in meiner Schreibtischschublade (bzw. meinem Desktop-Ordner) versauert ist.

Dazu muss ich sagen: Es war nicht nur mein erstes Mars-Konzert, sondern mein erstes Rockkonzert überhaupt. Kaum zu glauben, aber wahr (der Band selbst war ich erst wenige Monate zuvor verfallen und kannte sie bis dato gar nicht)! Eine Setlist zu erstellen hat mich daher komplett überfordert. Ich denke mal, es geht auch ohne.🙂

Here we go:

Hamburg Trabrennbahn am 23.08.2011 – Open Air

Es war ein warmer, halbwegs sonniger Tag. Einige von uns hatten sich vor und nach dem Konzert zu einem Treffen verabredet und zum ersten Mal habe ich ein paar von Euch „Mars-Hühnern“ persönlich kennengelernt. Und ich möchte Euch nicht mehr missen! Herzlichen Dank an dieser Stelle an Doro und Birgit, die  das Treffen im Stadioneck organisiert haben! Viele von uns waren in unseren Mars-Shirts eingetrudelt, die wir ebenfalls den beiden zu verdanken hatten. 

Gegen 15:00 Uhr haben wir uns von der kleinen Gaststätte in der Nähe der Trabrennbahn aus zusammen auf den Weg gemacht. Glücklicherweise war noch nicht sehr viel los, wir hatten also recht gute „Startplätze“. Vor dem Einlass hatten einige bereits fleißig Flyer für die „Revenge-Aktion“ verteilt. (Anm.: Zuvor hatte es eine lange Planung diesbezüglich im ehemaligen Gästebuch, heute „Plauderecke“, gegeben. Die Idee dahinter war, den Meister während des Acoustic-Sets aus Tausend Kehlen zu überzeugen, den Song Revenge zu spielen. Ob’s geklappt hat? Schau’n ‚mer mal …:)

Wir standen zunächst dicht gedrängt auf einer langgezogenen Treppe, die hinauf zum riesigen Trabrennbahn-Areal führt, und haben erst einmal nur gewartet. Zu diesem Zeitpunkt waren wir Mars-Mädels bereits querbeet verteilt. Tina Z und ich haben uns gemeinsam durch die Warterei im Gedränge gequält, aber es hat sich am Ende mehr als gelohnt!

Was die Zeit und die Stimmung vor Einlass angeht, muss ich ein wenig ausholen, denn für mich ist das unmittelbar mit dem späteren Konzerterleben verbunden. Erst standen wir Ewigkeiten auf den Stufen der Treppe, dann ging es irgendwann ruckartig ein paar Meter vorwärts. Plötzlich hatten wir die Treppe überwunden und standen auf einer kleinen Anhöhe zwischen Bäumen – und ab da ging nichts mehr! Was wir sahen, waren viele, viele Leute, Baumwipfel, den Himmel und die Spitzen von ein paar Hochhäusern hinter uns. (Einen kleinen Eindruck verschafft der Konzertbericht bei Digger, der auch ein paar Bilder von Einlass und Bühne bereithält.)

Das wäre nun nicht so schlimm gewesen, wenn nicht irgendwann die Security verkündet hätte, dass sich der Einlass wegen einer Unwetterwarnung verzögert. Das Spielchen mit der Verzögerung wiederholte sich mehrmals. Die Stimmung schwankte von leicht genervter Erwartung bis hin zu ersten Unmutsäußerungen. In jedem Fall hätte es geholfen, wenn die Security-Mannschaft Megafone benutzt hätte, denn von deren Ansagen war in der Menge so gut wie nichts zu verstehen, lediglich die Rufe derjenigen, die noch näher an der Quelle standen, vermittelten uns Sinn und Unsinn der Verkündigungen.

Ich vermute, dass die Veranstalter wegen der Unglücksfälle wenige Tage zuvor beim belgischen Pukkelpop-Festival, bei dem auch 30 Seconds to Mars hätten auftreten sollen, nichts riskieren wollten. Doch der Schuss hätte leicht nach hinten losgehen können …

Es wehte ein laues Lüftchen (also kein Sturm), aber dafür zog ein Gewitter auf und erste Regentropfen platschten auf uns hernieder. Und was sagen die Mitarbeiter der Security (kein O-Ton, da selbiger unverständlich): „Geht doch bitte alle mal von den Bäumen weg.“ Ah ja …

Kein Problem, ein paar Tausend dicht an dicht gepferchte Menschen aufzufordern, sie sollen alle, egal wie, zurückweichen – und zudem noch eine Treppe rückwärts hinunter (!), damit niemand vom Blitz getroffen wird. Nur die ersten Reihen haben diese Ansage überhaupt mitbekommen. Kurz: Gebracht hat es nichts, außer vielleicht ein paar blaue Flecken bei dem einen oder anderen.

Im Nachhinein bin ich einfach nur froh, dass sich das Gewitter samt Regen bald wieder verzog. Denn im anderen Fall hätte die Situation leicht eskalieren können.  

Aufgrund dieser Verzögerung und des mulmigen Gefühls war die Stimmung inzwischen deutlich abgesackt.

Nun denn, das Gewitter trabte von dannen, endlich war Einlass, Taschenkontrollen gab’s schon teilweise gar nicht mehr und der lange Run auf die Bühne begann — wobei von der Security die Übereifrigen sogleich gestoppt wurden. Tina und ich hatten es nicht eilig. Wir waren glücklich, überhaupt heil auf dem Konzertgelände angelangt zu sein, und als wir dann vor der Bühne standen, waren wir ziemlich platt. Positiv platt, weil wir nie damit gerechnet hatten, so weit vorne zu stehen. Wir ergatterten einen Platz von der Bühne aus gesehen links, gefühlte achte bis zehnte Reihe. Wir konnten also nicht meckern (gute Sicht auf Shannon, von Tomo haben wir leider nicht so viel gesehen).

Irritierend war, dass immer noch Bauarbeiten auf der Bühne stattfanden (sowie ein wenig Soundcheck) und ein Teil des Mittelstegs noch schnell abmontiert wurde (was haben die eigentlich während der ganzen Zeit gemacht, als wir draußen gewartet haben?).

Irgendwann kam dann kurz Shannons DJ-Kumpel Antoine Becks zum Einsatz, der auf dem kleinen Bühnenturm am anderen Ende („Soundboard“ wie ich mittlerweile gelernt habe:) unter einem riesigen Beck’s-Werbeplakat gutgelaunt agierte. Nur wollte ihn irgendwie keiner hören. Nun ja …

Als Nächstes folgten Morning Parade, das waren ein paar nette Schnuffelchen, die sich tierisch gefreut haben, als Vorband von Mars in Hamburg auftreten zu dürfen. Von schlechter Stimmung war da schon nichts mehr zu spüren. Während des folgenden Umbaus kam wieder der gute Antoine zum Einsatz, danach traten Carpark North auf, die vom Sound her besser rüberkamen als Morning Parade und ordentlich Stimmung gemacht haben.

Dann erneut Antoine Becks, die Stimmung war weiterhin gut, aber die Ungeduld wuchs. Doch schließlich erschienen unsere heiß ersehnten Marsmännchen unter Pauken und Trompeten bzw. Lights, Sounds und Gekreisch auf der Bühne und die schmerzenden Füße waren vergessen!

Los ging’s nach Escape mit ein paar alten Songs, als erstes A Beautiful Lie. Zunächst war für mein Empfinden die Stimmung auf beiden Seiten (Publikum und Band) noch ein wenig zurückhaltend, Jared noch nicht ganz eingesungen. Wir sollten immer schön fleißig jumpen, und er hat uns ein paar Mal kräftig gerügt.🙂 Er selbst schien mit der Crew etwas zu mosern zu haben, da er dauernd irgendwelche Zeichen nach hinten gegeben hat.

Recht schnell kam dann auch schon Shannons Part mit L490, da war mir persönlich die Menge auf unserer Seite mit ihren Rufen zu laut für den ruhigen Song.

Generell zum Sound möchte ich anmerken, dass ich manchmal Jareds Stimme kaum gehört habe, obwohl er stimmlich an diesem Tag verhältnismäßig gut drauf war. Aber dort, wo wir standen, war entweder die Menge zu laut oder die Technik zu schlecht.🙂 Vielleicht war es zur Mitte hin besser.

So richtig „drin“ im Konzert war ich eigentlich erst ab dem Acoustic-Set – so sehr, dass ich teilweise nicht mehr rekonstruieren kann, wann was wie geschah. Jared hat die ersten Takte von Revenge angespielt und wieder abgebrochen, bevor wir überhaupt mit unserer Aktion starten konnten! Als er wenig später seine übliche Frage anbrachte, was wir denn hören wollten, kamen von unserer Seite etliche Revenge-Rufe. Nicht so viele, wir wir gehofft hatten, aber dennoch waren sie deutlich zu hören. Wie sich das allerdings in der Mitte oder auf der anderen Seite der Bühne angehört hat, kann ich nicht sagen. Nun ja, er hat uns leider ignoriert, aber alle Acoustic-Songs, darunter Hurricane und 100 Suns, waren wunderschön und ich habe ihn vor allem besser gehört.

Ach ja, er wurde auch noch kräftig mit Leuchtstäben/Knicklichtern beworfen, nicht zu knapp, das Bombardement schien gar nicht mehr aufzuhören. (Beweis-Video) Rosa Plüschhandschellen waren auch mit von der Partie.

Auch wurden wieder ein paar Leutchen auf die Bühne geholt, und was Jared diesmal (neben „Brot“ und „Schnitzel“) auf Deutsch zum Besten gegeben hat, öh, das schenke ich mir an dieser Stelle … Ach ja, der Typ in der From-Yesterday-Ära-Kluft, den man auf dem Konzertposter sehen kann, ist jedenfalls nicht Jared, sondern ein Fan, der vermutlich nun selbst ein paar Fans gefunden hat.😉

Bei The Kill ist Jared wieder ins Publikum, leider auf der rechten Seite. Ab da wurde es immer enger und enger und „jump, jump, jump“ eine wahre Herausforderung. (Nebenbei: „Shanimal“ verdient seinen Namen zurecht. Hammermäßig!) Es wurden dann noch aufblasbare Gummipuppen ins Publikum geworfen (hm, kurzer Abstecher zu Beate Uhse am Tag zuvor vielleicht?), die äußerst hart umkämpft wurden.

Bei Closer to the Edge und Night of the Hunter wurde wieder fleißig gejumpt. „Extrem eng“ hat tatsächlich noch Steigerungsmöglichkeiten. Trotzdem oder gerade deswegen fanden Tina und ich uns irgendwann in „Reihe“ fünf bis sechs wieder. Auch die bekannten roten Bälle kamen zum Einsatz und dann wurden die ersten Glücklichen aus dem Publikum für Kings & Queens auf die Bühne geholt. Kurz vor Schluss unterbrach Jared den Song, weil er noch einen Moshpit in der Mitte wollte (*schluck*), und ja – es wurde nochmal enger! Und in die Knie sollten wir auch noch gehen! Seltsamerweise hat es irgendwie funktioniert. (Wer kümmert sich schon um die Gesetze der Physik, wenn man in 30 Sekunden auf dem Mars sein kann?) 

Auf jeden Fall endete das Konzert mit Knall und Konfetti, von der Bühne aus muss es unglaublich gewesen sein. Ich fand bereits den Blick auf die mit Echelon (einige Marshawks drunter) vollgestopfte Bühne beeindruckend.

Ich habe keine Ahnung, wie die Stimmung weiter hinten gewesen ist. Offenbar gab es Probleme mit dem Sound. Und bei der Größe (ca. 15.000+ Konzertbesucher) hätten vermutlich zusätzliche Leinwände Sinn gemacht …

Kurz zu der diskutierten Kritik im Hamburger Abendblatt: Ich kann nachvollziehen, wenn sich nicht jeder von Jareds Interaktion mit dem Publikum begeistern lässt und es als Show und Drehbuch abtut. Sicher ist da etwas Wahres dran, aber andererseits macht genau das die Live-Auftritte der Band aus. Wenn sie nur ihre Songs runterspielen würden, wären sie eben nicht die, die sie sind. Ich bin absolut nicht der Typ Mensch, der sich gerne in Massenveranstaltungen stürzt und auf Kommando alles mitmacht, aber selbst ich mache Ausnahmen. Entweder man liebt diese Band oder man liebt sie nicht.😉

Leider konnte ich beim Treffen im Stadioneck danach nicht mehr lange bleiben, weil ich meinen Bus erwischen musste, aber alles in allem wird mir der Tag unvergesslich bleiben. Meine Leuchtstäbe, die mir Tina freundlicherweise während der Show geschenkt hat, haben noch viele Nächte danach in meiner Wohnung andächtig geglüht. 

***

Hut ab, wer sich das jetzt alles durchgelesen hat!😀